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XXX - THE AGENCY

In dieser Form ist der Kriminalroman im Buchhandel sowohl als gedrucktes Buch, als auch als E-Book zu kaufen:

ISBN Buch 978-3-95683-744-9

ISBN E-Book PDF 978-3-95683-591-9

ISBN E-Book epub 978-3-95683-650-3

sämtliche verwendeten Bilder auf dieser Homepage sind urheberrechtlich geschützt und stammen von: pixabay / freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig und iStock by Getty Images Lizens erworben für 2062675848 und 2062675678 vom 26.02.2020

Leseprobe
Kapitel 1 - Knapp entkommen -------------------------------------------------------------------- Die Sonne steht zum Nachmittag hin tief und wirft lange Schatten auf die Straßen. Nur zögerlich weicht die sengende Hitze des Mittags und eine spärliche Abkühlung wird spürbar. Traumhaft gestaltete Häuser, die bunt zusammengewürfelt in den unterschiedlichsten Stilen auf Wüstensand gebaut wurden, werden in ein sanftes rötlich-gelbes Licht getaucht. Kaum jemand bewegt sich schneller als nötig, doch ein Mann mittleren Alters rennt, als ob der Teufel hinter ihm her wäre. Er drängelt sich hastig durch die Menschenmengen, die an den Touristenattraktionen in Las Vegas stehen, um die verschiedenen kunstvoll gestalteten Häuser und die davor agierenden Künstler zu beobachten. In einem beachtlichen Abstand wird der Flüchtende von mehreren Männern verfolgt – Polizisten, die durch die vielen Menschen auf den Straßen aufgehalten werden. Wie in einem Ameisenhaufen tummeln sich hier Hunderte von Individuen, sodass eine Verfolgung scheitern muss. Die Polizisten trennen sich, versuchen, den Verfolgten doch noch aufzuspüren. Ihre Schritte werden langsamer. Sie schauen sich um, können jedoch Alexander Lomberg nicht mehr entdecken. In einer Seitenstraße hat Alexander eine Nische gefunden, in der er sich verstecken kann. Sein Atem geht viel zu schnell, das Blut rast ihm durch die Venen, der Herzschlag gleicht dem eines Hamsters im Laufrad. Das Adrenalin baut sich nur zögerlich ab. Schweiß rinnt ihm von der Stirn und tropft auf sein weißes Hemd. "Ich bin zu alt für so eine Aufregung", denkt er. "Es wird Zeit, dass ich die Sache beende." Die Zugriffe der Polizei erfolgen in immer kürzeren Abständen. Auch diesmal war es wieder nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass er davongekommen war. "Ich darf nicht so kurz vor meinem Ziel noch geschnappt werden." Immerhin, so denkt er sich, steckt ein enormer Aufwand in seiner Arbeit. Darüber hinaus profitiert eine nicht unerhebliche Anzahl von Mitarbeitern von dem Erfolg der Maßnahmen. "Ein Jammer, dass so viele geschnappt wurden. Jetzt wird alles weitaus komplizierter. Ich werde mir was Neues überlegen müssen, um die Sache noch zu einem glücklichen Ende zu führen. Doch erst einmal muss ich mich beruhigen." Sein Herz schlägt noch immer heftig. Das Pochen der Halsschlagader ist im ganzen Körper zu spüren. "Ich glaube, so knapp war es bisher noch nie. Wie haben die es nur geschafft, sich so schnell zusammenzutun? Und woher wussten die von dem heutigen Treffen? Bei dem letzten Deal in Amerika ist alles wesentlich einfacher gelaufen."--------------------------------------------------------------------- In all den Jahren hatte Alexander Lomberg gelernt, sich die Zeit zum Verbündeten zu machen. Die Zeit, die die Behörden benötigten, um eine Zusammenarbeit über Landesgrenzen und auch über Kontinente hinweg zu ermöglichen, hatte bislang immer für ihn gearbeitet. Zu Beginn seiner Karriere hatte er fortwährend befürchtet, dass man ihn erwischen würde. Doch schnell hatte er mitbekommen, dass es offensichtlich unüberwindliche Hindernisse bei der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Behörden verschiedener Länder gibt. »Es kommt darauf an, die Tätigkeitsfelder so auszuwählen, dass es den Gesetzeshütern nicht gelingt, eine kurzfristige Zusammenarbeit zu bewerkstelligen«, erklärt Alexander seinen ›Auszubildenden‹, wenn er sie in die Geschicke seiner Arbeit einweiht. Wie leicht ließen sich viele seiner – sagen wir – Kollegen schnappen, da sie nicht sauber genug gearbeitet hatten. Sie übten ihr ›Handwerk‹ innerhalb der Grenzen eines Landes aus und kamen demzufolge nicht in den Genuss dieser ›Abstimmungsschwierig-keiten‹. Aus diesen Erfahrungen heraus konnte Alex, wie ihn seine Freunde nennen, eine eigene Vorgehensweise, seine ganz persönliche ›Handschrift‹ entwickeln, die er auch seiner Kreativität verdankte und die ihresgleichen sucht. Vor all den Jahren hatte er klein angefangen, doch mittlerweile hatten seine Frau Ivette und er sich einen angemessenen Lebensstil erarbeitet. Aber die beiden wollten ihren riskanten Beruf nicht bis ins hohe Alter ausüben. Deshalb hatten sie beschlossen, ihre Karriere mit einem fulminanten Feuerwerk zu beenden. Sie wollten ihr Geschäft in andere Hände übergeben. Menschen, die ihnen über die Zeit sehr wohlwollend gegenübergestanden und auch das größere Risiko getragen hatten, sollten ihr Werk weiterführen. Für diese wollten Ivette und Alex – quasi als Dankeschön – die Sache in Amerika organisieren. Aus diesem Grund hatten sie und ihre ›Mitarbeiter‹ beschlossen, den Coup in Las Vegas durchzuziehen. Sie dachten sich, dass das Spielerparadies genau der richtige Ort wäre, um ein letztes Mal ihr prägendes Zeichen zu hinterlassen. Einige kleinere Summen hatten sie als ›Spieleinsatz‹ bereits nach Las Vegas transferieren lassen. »Wir sind mittlerweile der Auffassung, dass wir eher ein spannendes Spiel organisieren als ein ernstes Vergehen oder gar ein Verbrechen, wie uns teilweise vorgeworfen wird«, erklären sie gelegentlich. Möglicherweise sagen sie das auch nur, um sich selbst und ihr Gewissen zu beruhigen. Aber sie bleiben dabei: »Vielleicht ist es ein Spiel mit dem Feuer, aber es ist ein Spiel.«------------------------------------------------ Doch hat die Polizei offensichtlich heftige Bedenken gegen solche Spiele. Der letzte Deal in Amerika war wunderbar gelaufen. Bis die Behörden schließlich einschritten, war alles schon über die Bühne gegangen. Doch irgendwie war es den deutschen Behörden gelungen, die Amerikaner davon zu überzeugen, diesmal eher zuzugreifen. "Zu gerne würde ich wissen, wie die Ermittler uns aufspüren konnten", dachte Alex. In der Regel erfährt er durch seine Rechtsanwälte und aus den Ermittlungsakten alles Wissenswerte, um Fehler nur ein einziges Mal zu machen. Fehler zu begehen, hält er für menschlich. »Wahre Größe hat doch derjenige, der in der Lage ist, Fehler zuzugeben und daraus zu lernen«, sagt er nicht selten zu seinen Leuten. Man sollte sie eben nur nicht wiederholen. Menschen aber, die von sich selbst glaubten, immer fehlerfrei agieren zu können, waren ihm schon immer ein Dorn im Auge. Erst vor kurzer Zeit hatte Alexander Lomberg jemanden getroffen, den er in seine Organisation bringen wollte. Anfangs dachte er, dass dieser Mann gut zur Truppe passen und sich in die Gemeinschaft integrieren würde. Doch relativ schnell war klar, dass er ein unbelehrbarer, selbstsüchtiger und arroganter Mensch war. Ivette und Alex beschlossen daher, ihn und seine Fähigkeiten zwar einzusetzen, ihn jedoch nicht einzuweihen. Sie entsandten ihn zu einem ganz speziellen Auftrag und erteilten ihm in der Folgezeit eine Lektion, die ihm seinen Hochmut vergessen ließ. Es ist kein rein menschlicher Zug von Alexander Lomberg, seinen Mitarbeitern nur die besten Anwälte zur Seite zu stellen, falls sie einmal von der Polizei erwischt werden. Zum einen erhält er sich so ihre Loyalität, zum anderen erfährt er über seine Rechtsanwälte, wie es der Polizei gelungen ist, die Ermittlungen so weit zu fokussieren, dass ein Zugriff möglich wurde. Überdies weiß ein jeder Mitarbeiter seiner Organisation, dass die eigene Familie im Falle einer Festnahme abgesichert ist und sie ein sogenanntes ›Überbrückungsgeld‹ erhält. Mittels dieser Fürsorge lässt sich eine Untersuchungshaft oder gar eine Verurteilung doch etwas erträglicher gestalten. Und zudem erhalten Ivette und Alexander Lomberg durch diese ›vertrauensbildende Maßnahme‹ eine relative Sicherheit, was die Aussagebereitschaft der Mitarbeiter vor der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem Richter betrifft. ------------ Es ist eben ein Spiel. Und wie bei jedem Spiel besteht natürlich auch die Möglichkeit, einmal zu verlieren. Nur kann Alexander Lomberg absolut nicht verlieren. Bereits als Kind mussten alle Mitspieler darauf achten, dass er sich an die Regeln hält. Jede Unachtsamkeit der Mitspieler wurde durch Alex ausgenutzt, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Er »variiert die vorgegebenen Spielparameter«, wie er es gerne ausdrückt. Manche sagten, dass Alexander Lomberg nicht ehrlich, sondern mit gezinkten Karten spiele. Doch er meint, dass er lediglich all sein Geschick dazu verwendet, eben nicht zu verlieren. Und, hey – er ist der Böse, er darf schummeln, er darf betrügen. Ja, er ist ein Betrüger. Sofern man die Formulierungen der Gesetzestexte zugrunde legt. Bereits als Jugendlicher hatte er den Ehrgeiz, reich zu werden. Allerdings waren seine Grundvoraussetzungen nicht sehr verheißungsvoll. Sein Bruder und er wuchsen sehr behütet, jedoch nicht unbedingt vermögend auf. Sein Vater war ein Fabrikarbeiter und seine Mutter Hausfrau. Reichtum war für ihn zu diesem Zeitpunkt so weit entfernt wie der Planet Erde von der Sonne. Damals war Alexander Lomberg dieser Umstand noch nicht so bewusst gewesen. Seine Eltern taten zwar alles Mögliche, um den Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, doch erhält man in dieser Schicht nicht unbedingt das Werkzeug, um ein reicher Mann zu werden. Alex hatte dafür aber einige Gaben in die Wiege gelegt bekommen: Kombinationsgabe, Organisationsgeschick und Fantasie. Manche sagten, er sei ein Träumer, ein Fantast. »Schuster bleib bei deinen Rappen«, hatten seine Eltern oft zu ihm gesagt, um ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Doch er wollte einfach mehr. Und je älter Alex wurde, umso dringender wurde dieser Wunsch. Er sah die wundervollen Villen der Reichen und Schönen. Er sah exotische Bilder von Ländern, in die zu reisen es ihm wohl kaum vergönnt sein würde. Und er fragte sich immer wieder, was er tun könnte, um seine Träume zu realisieren. Durch sogenannte falsche Freunde und deren schlechten Einfluss erhaschte Alexander Lomberg einen Blick auf eine Welt, die er aus seinem Elternhaus nicht kannte. Das waren seine ersten Kontakte zu Kriminellen, einige schlimme und auch ein paar bedauernswerte Kreaturen: Klassenkameraden, die von ihren Eltern halb totgeschlagen wurden; Väter, die den Hauptteil ihres Lebens im Knast verbracht hatten; Alkoholiker, Drogenabhängige, Dealer, Räuber. Aufgrund dieser Kontakte und auch durch die Erzählungen seiner Freunde erkannte Alexander, dass dies nicht der Weg war, den er gehen wollte. Gewalt war seiner Auffassung nach nicht der richtige Weg zu mehr Reichtum. An derart erlangtem Geld hätte er keine Freude. Es dauerte einige Zeit, bis Alex seinen Weg gefunden hatte. Rückblickend kann er nicht mehr sagen, zu welchem Zeitpunkt er die ›Erleuchtung‹ hatte. Doch war sein Plan lange gereift, bevor er ihn auch nur ansatzweise umsetzen konnte. ---------------------------------------------------------Alexander Lomberg spielte gedanklich immer und immer wieder die einzelnen Schritte durch. Wie in einem Schachspiel versuchte er, im Voraus zu planen. Was geschieht, wenn dieser oder jener Zug durchgeführt wird? Was wird der Gegner tun, um seinen Plan zu vereiteln? Welche Möglichkeiten stehen ihm, Alexander, selbst offen, welche seinem Gegenspieler? Und exakt dies ist das eigentlich Schwierige bei der Durchführung eines guten Coups: Selbst, wenn mal etwas schiefläuft, muss man stets wissen, welche Alternativen bestehen. Wichtig ist für ihn, unter allen Umständen die Fäden in der Hand zu halten und sich nicht in eine Situation drängen zu lassen, die einem nur noch die Möglichkeit der Flucht lässt. Zugegeben, diese heutige Sache hatte Alex nicht in seine Kalkulationen einbezogen. Dafür war sie eigentlich auch zu abwegig. "Oder beginne ich möglicherweise, Fehler zu machen? Werde ich leichtsinnig?", fragt er sich. Von einem Polizisten hatte er einmal etwas gehört, das auch auf seine jetzige Situation passte: »Das Gefährlichste an meinem Job ist die Routine!« Gemeint war damit, dass Handlungen, die man immer wieder in derselben Art und Weise verrichtet, dazu führen, dass man die Sorgfalt nicht mehr in gebotenem Maße walten lässt. Man erledigt seine Aufgaben fast schon automatisch, ohne die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Alexander würde sehr genau darüber nachdenken, ob ihm das jetzt auch passiert war. War er sich seiner Sache zu sicher? Hatte er durch seine Unachtsamkeit die Festnahme seiner Leute zu verantworten? Das sind äußerst unangenehme Gedanken, stellt Alex fest. "Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt darüber grübeln", nimmt er sich vor. Nun aber muss er sich erst einmal auf den Weg machen, sich eine neue Unterkunft suchen und dann die Rechtsanwälte alarmieren. "Schließlich verlassen sich meine Leute darauf, dass ich mich um sie kümmere", denkt sich Alex. Da er davon ausgehen muss, dass die Polizei seinen bisherigen Aufenthaltsort bereits durchsucht und die in Las Vegas eingerichteten, möglicherweise bekannt gewordenen Konten beschlagnahmt hat, wird er an die Sicherheitsdepots gehen müssen, um alles Notwendige zu veranlassen. Im Anschluss muss er noch seine Frau benachrichtigen. Sobald sie von den Festnahmen erfährt, wird sie sich Sorgen machen. Außerdem wird er sich noch überlegen müssen, wen er nach Schottland schicken kann, damit die dort hinterlegten Gegenstände abgeholt werden können. "Blöd, dass es gerade jetzt zu dieser Festnahme kam", denkt er sich. "Ich muss zusehen, dass ich fähiges Personal finde, das bei der Auftragserfüllung nicht übers Ziel hinausschießt. Und die Zeit läuft mir davon …"